
Der unaufhaltsame Aufstieg der Slop-ETFs...
In diesem Video analysiert Thomas von Finanzus die zunehmende Vielfalt und Komplexität des ETF-Marktes. Er zeigt auf, dass nicht jeder ETF automatisch ein passives, breit gestreutes Investment ist. Die zentrale Botschaft: Der ETF ist nur eine Hülle, in die immer ausgefallenere Strategien gepackt werden. Hier die wichtigsten Kategorien, bei denen Anleger skeptisch sein sollten:
Kuriose ETFs aus den USA
- Kongressabgeordneten-ETFs: NAC (Nancy Pelosi) und GOP (Republikaner) bilden Trades von US-Abgeordneten nach, die einen unfairen Informationsvorteil haben könnten.
- Single Stock ETFs: Diese bilden nur eine Aktie ab, teils gehebelt (z. B. 2x MicroStrategy). In der EU nicht zulässig.
- Meme-Coin-ETFs: Z. B. der "Bong Income Blast ETF" auf einen Solana-Memecoin – hochspekulativ.
- Bitcoin After Dark ETF: Kauft Bitcoin nur nachts, weil dort historisch die größten Gewinne erzielt wurden.
- Round Hill Meme ETF: Bildet auf Reddit gehypte Aktien ab.
Neu in Deutschland: White Label ETFs
- Definition: Ein Broker legt gemeinsam mit einem Fondsanbieter einen ETF auf, der den Brokernamen trägt (z. B. "Finanzen.net MSCI World ETF").
- Motivation: Seit dem EU-Verbot von "Payment for Orderflow" suchen Broker neue Einnahmequellen durch Bestandsprovisionen.
- Beispiele: Finanzen.net MSCI World ETF (0,12 % TER, günstig), Comdirect S&P Allworld ETF (0,40 % TER, teurer, davon 0,24 % an Comdirect).
- Fazit: Nicht pauschal schlecht, aber genau prüfen, ob es sich um ein Standardprodukt im neuen Mantel oder eine echte Innovation handelt.
ETNs und ETCs – Vorsicht vor dem Kontrahentenrisiko
- ETN (Exchange Traded Note): Eine Schuldverschreibung, kein Sondervermögen. Höheres Risiko (z. B. 3x gehebelter Nasdaq ETN).
- ETC (Exchange Traded Commodity): Ebenfalls eine Schuldverschreibung, z. B. für Gold. Kontrahentenrisiko.
- Wichtig: Bei echten ETFs handelt es sich um Sondervermögen, das im Insolvenzfall geschützt ist.
Buffer ETFs – Sicherheit mit Deckel
- Funktion: Verluste innerhalb einer Pufferzone (z. B. 10 %) werden abgefedert, aber Gewinne werden nach oben gedeckelt.
- Nachteile: Asymmetrischer Schutz (große Verluste möglich), teuer (0,5–0,9 % TER), nur in bestimmten Marktphasen sinnvoll.
Covered Call ETFs – Optionsprämien gegen Kurspotenzial
- Funktion: Zusätzlich zu Aktien werden Call-Optionen verkauft, um Optionsprämien zu verdienen.
- Performance: Besser bei stagnierenden oder fallenden Märkten, schlechter bei dauerhaften Kursanstiegen.
- Kosten: Höhere TER (ca. 0,45 %).
Gehebelte ETFs (z. B. 2x MSCI World)
- Risiko vs. Rendite: Das Risiko verdoppelt sich, aber die Rendite verdoppelt sich nicht linear. Pfadabhängigkeit und Volatilitätsverlust sind Probleme.
- Empfehlung: Nur für erfahrene Anleger mit starken Nerven.
Aktiv gemanagte ETFs
- Definition: Ein Fondsmanager trifft aktive Entscheidungen, statt einen Index abzubilden.
- Problem: Die meisten aktiven Manager schlagen den Markt nicht (85–90 % laut S&P-Studie).
- Beispiel: Frank Thelen’s Tech General Artificial Intelligence ETF (TER: 0,69 %).
Themen- und Branchen-ETFs
- Chance: Kurzfristig können sie stark outperformen (z. B. KI, Cybersicherheit).
- Risiko: Langfristig laufen sie oft schlechter als der Gesamtmarkt oder werden mangels Volumen geschlossen.
Der ETF-Markt wird immer unübersichtlicher. Nicht jeder ETF ist ein passives, kostengünstiges Weltportfolio. Achten Sie auf die rechtliche Struktur (echtes Sondervermögen?), die Kosten (TER, Bestandsprovisionen) und ob die Strategie zu Ihrer Anlagestrategie passt.





