
Securitizes 400-Millionen-Dollar-Wette zur Integration der Wall Street in die Blockchain
Securitize hat kürzlich 400 Millionen Dollar eingesammelt und ist an der New York Stock Exchange (NYSE) unter dem Ticker SECZ notiert. CEO Carlos Domingo gibt im Interview mit Bankless einen detaillierten Einblick in das Geschäftsmodell, die Herausforderungen und die Zukunft der Tokenisierung traditioneller Finanzanlagen.
Das Geschäftsmodell von Securitize
Securitize ist ein SEC-registrierter Transfer Agent, der die Eigentumsverhältnisse von Wertpapieren (wie Aktien oder Fonds) auf einer öffentlichen Blockchain (z. B. Avalanche, Solana) führt. Im Gegensatz zu traditionellen Transfer Agents nutzt Securitize die Blockchain als Hauptbuch für die Tokenisierung.
Das Unternehmen hat drei Hauptgeschäftsfelder:
- Transfer Agent: Ein servicebasiertes Modell mit Gebühren, die auf der Anzahl der verwalteten Wertpapiere oder dem verwalteten Vermögen (AUM) basieren.
- Broker-Dealer: Ein transaktionsbasiertes Geschäft, das Gebühren für den Handel (z. B. bei Kapitalerhöhungen oder Aktiengeschäften) erhebt.
- Fondsverwaltung: Securitize bietet auch die Verwaltung für tokenisierte Fonds an, da die 24/7-On-Chain-Aktivität mit den traditionellen Off-Chain-Abläufen abgeglichen werden muss.
Der Engpass: Nachfrage statt Technologie
Der Engpass für das Wachstum ist nicht das Angebot (viele Unternehmen wollen tokenisieren), sondern die Nachfrage auf der Käuferseite. Derzeit wird der Markt hauptsächlich von der Krypto-Community getrieben. Der große Durchbruch kommt, wenn traditionelle Anleger tokenisierte Assets nutzen können, ohne zu merken, dass sie eine Blockchain verwenden – ähnlich wie das Internet heute für die Nutzer unsichtbar ist.
Der echte Token vs. Derivat
Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen dem Ansatz von Securitize und anderen Angeboten (z. B. von Robinhood oder Ono):
- Securitize: Bietet den echten, nativen Token an. Der Inhaber steht im direkten Register (Cap Table) des Unternehmens, hat Anspruch auf Dividenden, Stimmrechte und profitiert von Unternehmensereignissen (Splits). Es gibt kein Kontrahentenrisiko.
- Andere Anbieter: Bieten oft nur Derivate oder synthetische Token an. Sie repräsentieren den Preis, nicht das eigentliche Wertpapier. Dies führt zu:
- Kontrahentenrisiko (Risiko der ausgebenden Plattform)
- Fragmentierter Liquidität
- Unvollständigen Rechten (z. B. kein Anspruch auf Dividenden)
- Regulatorischen Risiken (z. B. für Insiderhandel)
Herausforderungen des US-Marktes
Eine große Hürde für die tokenisierte Sekundärmarktliquidität sind US-Regulierungen wie die National Best Bid and Offer (NBBO)-Regel. Diese verlangt, dass ein Broker-Dealer dem Kunden immer den besten verfügbaren Preis anbietet. Da der On-Chain-Handel nicht Teil des nationalen Marktsystems ist, muss Securitize die Preisdaten von externen Anbietern (Securities Information Processors) beziehen, was komplex und teuer ist. Die SEC hat bereits vorgeschlagen, diese Regeln zu lockern, was den On-Chain-Handel erheblich vereinfachen würde.
Die Rolle von Perpetual Futures (Perps)
Für den Betrieb von Perpetual Futures (Perps) auf tokenisierte Aktien ist ein robuster 24/7-Spot-Markt unerlässlich, um die Finanzierungsrate korrekt berechnen zu können. Derzeit nutzen Perp-Plattformen oft synthetische Derivate, was zu Ineffizienzen führt. Native, echte tokenisierte Aktien auf dem Spot-Markt sind die ideale Grundlage für Perp-Märkte und könnten die Liquidität immens steigern, z. B. durch Basis-Trading Arbitrage.
Ausblick: 1 Billion Dollar in drei Jahren
Das Ziel von Securitize und der gesamten Branche ist es, das verwaltete Vermögen (AUM) in tokenisierten Assets auf 1 Billion Dollar zu steigern (aktuell ~30-35 Milliarden). Caslos Domingo sieht dies als realistisch in den nächsten drei Jahren an. Securitize will seinen Marktanteil von ~10% halten und auf diesem Weg auf ein AUM von 100 Milliarden Dollar wachsen.






