
Saylor hat Zeit gekauft. Bitcoin hat immer noch ein Problem
In dieser Episode von Bankless diskutieren David Hoffman, Jeff Dorman (CIO, Arca) und Matt Walsh (Castle Island Ventures) die prekäre Lage von Strategy (MSTR) und Michael Saylor. Das Kernproblem: Eine komplexe, sich bekämpfende Kapitalstruktur aus Stammaktien (MSTR), Vorzugsaktien (STRK), Wandelanleihen und Bitcoin-Beständen.
1. Das Dilemma: Der Kampf der Kapitalgeber
- STRK (Vorzugsaktien): Saylor erhöhte die Dividende auf 12%, um die Halter bei Laune zu halten. Die Aktie fiel jedoch um bis zu 30% und notiert nun ~17% unter ihrem Ausgabekurs von 100 $.
- MSTR (Stammaktien): Der NAV-Aufschlag (Nettoinventarwert) brach von 1,3x auf etwa 1,04x ein und lag kurzzeitig unter 1,0x – ein psychologisch wichtiger Punkt, der das Kernversprechen von MSTR (gehebelte Bitcoin-Exposition) untergräbt.
- Wandelanleihen: 6,7 Mrd. $ fällig in den nächsten Jahren. Jeff hält eine Refinanzierung für machbar, aber zu schlechteren Konditionen.
- Bitcoin: Der 2,55 Mrd. $ schwere Bargeldpuffer (davon 1,25 Mrd. $ aus geplanten Bitcoin-Verkäufen) verschafft ~17 Monate Atempause, aber das Problem bleibt ungelöst.
Kernaussage: „Jeder Teil der Kapitalstruktur befindet sich im Krieg mit den anderen Teilen.“ (Jeff Dorman)
2. Strategys Wandel: Vom Bitcoin-Treasury zum aktiven Hedgefonds
- Vereinfachte Geschichte: Strategy ist nicht länger „nur“ ein Bitcoin-Kaufvehikel. Es ist ein aktiv gemanagter Hedgefonds, der ständig entscheidet, welche Kapitalmarktklasse er emittiert oder zurückkauft – zum Nachteil der Anleger.
- Kritik: Saylor kaufte Bitcoin zu Höchstkursen und verkaufte zu Tiefstkursen. Ein Beispiel: Der Rückkauf einer Wandelanleihe für 1,5 Mrd. $ in bar vernichtete 40 Mrd. $ an Unternehmenswert.
- Rechtliche Risiken: Das aggressive Marketing von STRK als „Geldmarktfonds“ (inklusive KI-generierter Werbung) könnte als irreführend ausgelegt werden. Ein Wechsel im Board (Pete Briger von Fortress verließ es) wird als Warnsignal gedeutet.
3. Szenarien und Ausblick
- Jeffs Wahrscheinlichkeiten (vor Ankündigung – jetzt angepasst):
- 70%: Verkauf von MSTR-Aktien, Aufschlag sinkt, STRK wird gestützt (eingetreten).
- 25%: Großer Bitcoin-Verkauf („das Pflaster abreißen“) – nicht eingetreten.
- 5%: Dividendenstreichung, STRK stürzt ab.
- Matt Walsh: Der einfachste Ausweg wäre ein massiver Bitcoin-Verkauf (75.000–100.000 BTC), um Klarheit zu schaffen. Stattdessen wird weiter Unsicherheit produziert, die den Markt belastet.
- Langfristig: Beide Gäste sehen Strategy als „schmelzenden Eiswürfel“ – kein unmittelbarer Bankrott, aber auch kein klarer Bullenfall. Die Dividende (1,7 Mrd. $ jährlich) ist auf Dauer nicht aus den Null-Cashflow-Erlösen bedienbar.
4. Fazit und nächste Schritte
- Bitcoin im Schatten: Saylors ständige Präsenz in den Schlagzeilen überschattet andere positive Entwicklungen im Blockchain-Bereich (Stablecoins, DeFi, RWA-Tokenisierung).
- Mögliche Auswege: M&A (Kauf von Firmen mit Bitcoin) oder Ruhe (keine Aktionen für 6–12 Monate). Beides gilt als unwahrscheinlich.
- Für Anleger: Jeff würde STRK im Bereich von 30–40 Cent (im Falle einer Insolvenz) oder MSTR bei 70–80% des NAV kaufen. Aktuell ist das Risiko-Ertrags-Verhältnis schlecht.
Kernbotschaft: „Die Märkte verkraften schlechte Nachrichten besser als Unsicherheit. Saylor erzeugt ständig Unsicherheit.“ (Jeff Dorman)






