
Die überraschenden Dinge, die wir über den Preis eines Cappuccinos herausgefunden haben
James Hoffmann analysiert den Cappuccino-Index, der misst, wie viele Minuten ein Barista arbeiten muss, um sich einen Cappuccino leisten zu können. Die Daten stammen aus einer Umfrage unter tausenden Baristas weltweit – mit einem Vergleich zu Daten von vor 11 Jahren.
Die Spitzenreiter (wenigste Arbeitszeit):
- 🇦🇺 Australien: 10 Minuten 5 Sekunden (fast 6 Cappuccinos pro Stunde)
- 🇮🇹 Italien: 11 Minuten 51 Sekunden
- 🇳🇿 Neuseeland: 12 Minuten 43 Sekunden
Die Schlusslichter (meiste Arbeitszeit):
- 🇮🇳 Indien: 172 Minuten 24 Sekunden (etwa die Länge eines Nolan-Films)
- 🇵🇭 Philippinen: 110 Minuten 43 Sekunden
- 🇲🇽 Mexiko: 74 Minuten 35 Sekunden
Weitere Länder im Überblick:
- 🇮🇪 Irland: knapp 16 Minuten
- 🇬🇧 Vereinigtes Königreich: 17 Minuten 30 Sekunden
- 🇺🇸 USA: 17 Minuten 55 Sekunden (ohne Trinkgeld)
- 🇩🇪 Deutschland: 14 Minuten 59 Sekunden
- 🇩🇰 Dänemark: 19 Minuten 24 Sekunden
- 🇨🇦 Kanada: vergleichbar mit USA
- 🇸🇬 Singapur: 25 Minuten 13 Sekunden
Überraschender Trend: Index ist in vielen Ländern gesunken
Entgegen der Erwartung (steigende Kaffeepreise durch Inflation) ist der Cappuccino-Index in vielen Ländern gefallen. James‘ Theorie: Wettbewerb.
- Wo viele Cafés konkurrieren, steigen die Löhne für Baristas, während die Preise für Kunden durch Konkurrenzdruck niedrig bleiben.
- Ausnahmen (z. B. Dänemark, Norwegen, Spanien) zeigen, dass der Index nicht überall sinkt.
Die teuersten und günstigsten Cappuccinos:
Teuerste (Durchschnittspreis):
- 🇨🇭 Schweiz: 5,63 £
- 🇩🇰 Dänemark: 5,52 £
- 🇳🇴 Norwegen: (knapp dahinter) Einzelner Spitzenreiter: Kopenhagen – 10,43 £
Günstigste (Durchschnittspreis):
- 🇮🇹 Italien: 2,04 £
- 🇵🇭 Philippinen: 1,79 £
- 🇮🇳 Indien: günstig
Stundenlöhne der Baristas:
Höchste:
- 🇨🇭 Schweiz: 23,48 £/h
- 🇩🇰 Dänemark: 17,07 £/h
- 🇦🇺 Australien: 16,36 £/h
Niedrigste:
- 🇮🇳 Indien: 0,71 £/h
- 🇵🇭 Philippinen: 0,97 £/h
- 🇲🇽 Mexiko: 2,14 £/h
Ein Barista in der Schweiz verdient im Schnitt 33-mal mehr als einer in Indien – der Cappuccino ist aber nur 2,8-mal teurer. Das erklärt die unteren Ränge des Index, aber nicht die gesamte Tabelle.
Stadt-Land-Gefälle (am Beispiel UK):
- London (höchste Cafédichte) → niedrigster Index
- Edinburgh (weniger Wettbewerb) → höchster Index
- Suburban und Rural liegen dazwischen – die Unterschiede sind aber gering.
Was sagt der Index aus?
Der Cappuccino-Index korreliert grob mit BIP und Lebenshaltungskosten, bietet aber einen zusätzlichen Einblick in die Wettbewerbsintensität einer Kaffeeszene. Länder mit langjähriger, dichter Kaffeekultur (Australien, Italien) haben oft eine kulturelle Preisobergrenze, die den Index niedrig hält.
Fazit & Ausblick:
James hält den Index für wertvoll, besonders wenn er jährlich erhoben würde. Er regt an, über unbequeme Fragen nachzudenken: Wie viele Kilos Kaffee muss ein Produzent anbauen, um eine Tasse in London zu bezahlen? Wie viele Stunden muss ein Barista arbeiten, um die Miete zu zahlen? Der Datensatz steht zum Download bereit – eigene Analysen sind willkommen.






