
Tu das deinen Mitochondrien an, für maximale Energie | Dr. Vladimir Heiskanen
In diesem Interview spricht Dr. Vladimir Heiskanen, Kurator der weltweit größten öffentlichen Datenbank für Photobiomodulation (PBM, oft als Rotlicht-Therapie bezeichnet), über die komplexe und oft missverstandene Wissenschaft hinter dieser Technologie. Er zeigt auf, dass die klinische Literatur voller Nuancen und Widersprüche ist und dass es keine einfachen „Wunderwaffen“ gibt.
Grundlegende Wirkmechanismen- Licht und Zellen: Rotes und nahes Infrarotlicht wird von verschiedenen Molekülen in den Zellen absorbiert. Der Fokus liegt auf den Mitochondrien (den „Kraftwerken“ der Zellen), insbesondere auf dem Enzym Cytochrom-C-Oxidase (CCO).
- Häufigste beobachtete Effekte: Nach Bestrahlung werden oft ein erhöhter ATP-Spiegel (Energiewährung der Zelle), leicht erhöhte reaktive Sauerstoffspezies und ein erhöhter Stickstoffmonoxid-Spiegel gemessen.
- Keine universelle Regel: Die Effekte sind kontextabhängig (Zelltyp, Tageszeit, Gesundheitszustand der Zelle). Bei gestressten Zellen sind die Effekte oft deutlicher als bei gesunden.
- Muskelwachstum: Die Evidenz ist gemischt. Studien an jungen Menschen zeigen positive Effekte, während Studien an älteren Menschen keine Verbesserung durch Rotlicht-Therapie beim Krafttraining zeigten.
- Entzündungshemmung: Die Datenlage ist widersprüchlich. Es gibt Hinweise auf systemische Wirkungen (z.B. Reduktion von Entzündungsmarkern im Blut bei Bestrahlung des Rückens), aber auch Studien, die keinen Effekt auf systemische Entzündungsmarker fanden. Bestimmte Infektionen (z.B. COVID-19) könnten profitieren.
- Systemische („Remote“) Effekte: Es gibt Belege dafür, dass die Bestrahlung eines Körperteils (z.B. Bauch) positive Wirkungen an entfernten Stellen (z.B. Gehirn) haben kann.
- Haut und Bindegewebe: Eine vielversprechende Anwendung. Rotlicht scheint die Fibroblasten-Funktion zu verbessern, die Kollagensynthese zu steigern, den Kollagenabbau zu hemmen, die Wundheilung zu fördern und die Hautelastizität zu erhöhen. Hochwertige randomisierte Studien zeigen positive Ergebnisse bei Falten und Hautalterung.
- Sicherheit: Im Vergleich zu Medikamenten ist Rotlicht-Therapie überraschend sicher. Schäden sind sehr selten. Ausnahme: Bei Tumoren gibt es Studien, die sowohl schützende als auch wachstumsfördernde Wirkungen (in ca. 20% der Fälle) zeigen. Bei empfindlichen Bereichen (Augen, Hoden) ist Vorsicht geboten.
- Die große Unbekannte: Es gibt kein allgemeingültiges Dosierungsschema. Die optimale Dosis variiert stark und ist von vielen Faktoren abhängig.
- Wichtige Parameter: Wellenlänge (häufig 660 nm und 830 nm, aber auch viele andere), Leistungsdichte (mW/cm²), Bestrahlungsdauer, Energie (Joule), Energiedichte (J/cm²), Abstand zur Lichtquelle, Sitzungsfrequenz und -dauer.
- Richtwerte (geschätzt von Dr. Heiskanen):
- Oberflächliche Gewebe (Haut): Etwa 10 J/cm².
- Tiefe Gewebe (Muskeln): Etwa 100 J/cm² oder mehr, um den Verlust durch die Haut zu kompensieren.
- Berechnung: Umrechnung von Leistungsdichte (z.B. 100 mW/cm²) in Energiedichte: Leistungsdichte × Bestrahlungsdauer (Sekunden) = J/cm².
- Dunklere Haut: Das Melanin absorbiert einen Teil des sichtbaren roten Lichts, wodurch weniger Energie in die tieferen Schichten gelangt. Für nahes Infrarot ist der Effekt geringer. Es gibt jedoch keine standardisierte Methode zur Dosisanpassung basierend auf der Hautfarbe.
- Dr. Heiskanen kuratiert die weltweit größte Open-Access-Datenbank mit über 9.600 PBM-Studien. Sie ist kostenlos und für jeden zugänglich (Kurzlink: https://bitly.com/pbmdatabase).






