
Wie Ihr Immunsystem funktioniert und wie Sie es verbessern können | Dr. Max Krummel
In dieser Episode des Huberman Lab Podcasts erklärt Dr. Max Krummel, Professor für Immunologie und Krebsbiologie an der UC San Francisco, wie das Immunsystem funktioniert und wie es durch Schlaf, Gedanken und Alterung beeinflusst wird. Die Zusammenfassung beleuchtet die wichtigsten Erkenntnisse:
Die Entwicklung des Immunsystems- Frühe Immunität: Kinder werden oft krank, weil ihr Immunsystem noch unerfahren ist – es muss erst lernen, zwischen harmlosen und gefährlichen Erregern zu unterscheiden. Gleichzeitig ist das Immunsystem bei Geburt unterdrückt, um das sich schnell entwickelnde Gewebe nicht anzugreifen.
- Alterung: Im Alter lässt die Immunfunktion nach, nicht nur durch Zellalterung, sondern auch durch genetische Mosaikbildung: Jede Zelle sammelt Mutationen, sodass der Körper zunehmend „anders“ wird. Das Immunsystem hat dadurch mehr Schwierigkeiten, zwischen „Selbst“ und „Fremd“ zu unterscheiden – ähnlich wie U-Boote im Zweiten Weltkrieg, die die Motorengeräusche befreundeter und feindlicher Schiffe erkennen mussten.
- Mechanismus: Während des Schlafs wandern Immunzellen zurück ins Knochenmark, während Neutrophile Kollagen im Gewebe ablagern. Schlaf ist eine Reparaturphase, in der Stoffwechselabfälle beseitigt werden. Fehlender Schlaf führt zu geschwollenen Lymphknoten unter den Augen und erhöhter Infektanfälligkeit.
- Funktion: Der Thymus produziert und „erzieht“ T-Zellen, indem er ihnen alle körpereigenen Proteine zeigt. Nur Zellen, die nicht zu stark auf eigene Strukturen reagieren, dürfen ihn verlassen.
- Alterung: Der Thymus schrumpft mit der Zeit – bei Kindern ist er groß, bei Erwachsenen klein. Dies könnte ein Grund sein, warum ältere Menschen weniger neue T-Zellen bilden und anfälliger für Krebs werden.
- Mobilität und Sesshaftigkeit: Manche Immunzellen zirkulieren ständig, andere bleiben ortsständig (z. B. in der Haut oder der Leber). Die räumliche Anordnung ist entscheidend für die Funktion – ähnlich wie bei der Wundheilung, wo verschiedene Zellschichten unterschiedliche Aufgaben haben.
- Organverpflanzung: In Tierversuchen können Pankreaszellen unter die Nierenkapsel verpflanzt werden und überleben – solange das Immunsystem sie nicht attackiert. Dies zeigt, dass der Kontext (Blutversorgung, Immunumgebung) für das Überleben von Gewebe essenziell ist.
- Insuläre Kortex: Studien zeigen, dass die Erinnerung an eine Entzündung (z. B. im Darm) durch bloßes Abrufen der Gedanken das Immunsystem wieder aktivieren kann. Der Insuläre Kortex im Gehirn speichert nicht nur emotionale, sondern auch immunologische Zustände – Meditation könnte diesen Mechanismus nutzen, um Entzündungen zu reduzieren.
- Nuancen: Dr. Krummel betont, dass Impfstoffe Leben retten, aber dass die Frage nach Zeitpunkt und Kombination berechtigt ist. Impfprotokolle sind oft aus Bequemlichkeit standardisiert, nicht unbedingt optimal für jedes Kind.
- Autoimmunerkrankungen: Sie entstehen, wenn das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe angreift. Genetische Faktoren spielen eine Rolle (z. B. Lupus), aber auch Umwelteinflüsse wie Infektionen der Mutter während der Schwangerschaft können neuronale Entwicklung beeinflussen (Modell für Autismus). Autoimmunität kann auch einen Vorteil bieten: Mäßige Psoriasis könnte vor bestimmten Infektionen schützen.
- Schlaf priorisieren: Ausreichender Schlaf ist essenziell für die Immunfunktion, da er die Reinigung und Regeneration des Gewebes ermöglicht.
- Bewegung und Ernährung: Ein aktiver Lebensstil und eine ausgewogene Ernährung unterstützen die Vielfalt des Mikrobioms und damit die Immuntoleranz.
- Stressmanagement: Chronischer Stress schwächt das Immunsystem, während akuter Stress kurzfristig aktivierend wirkt.
Die Episode endet mit einem Plädoyer für grundlagenorientierte Forschung und die Notwendigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich zu kommunizieren – genau das tut Dr. Krummel in seinem Substack „The Immune Beyond“.






