
Professor Hens warnt: In diesem späten Stadium der Rally befinden wir uns jetzt wirklich
In diesem Interview mit Professor Thorsten Hens, einem Experten für Behavioral Finance, wird die aktuelle Phase der Aktienrally analysiert und eingeordnet. Hens warnt davor, dass wir uns bereits in einem späten Stadium der spekulativen Blase befinden, aber die Party noch nicht vorbei sei.
Aktuelle Marktphase: Spätes Stadium der Rally- Wir sind jetzt in der Phase des irrationalen Überschwangs – die Kurse können noch einmal 50 % oder mehr steigen, bevor die Party endet.
- Die Volatilität wird zunehmen, und es wird immer schwieriger zu erkennen, ob es sich um das endgültige Ende oder nur um einen Rücksetzer handelt.
- Momentum dominiert – aus fundamentaler Sicht sind Bewertungen hoch, aber behavioral betrachtet läuft die Party noch. Der Algorithmus von Hens empfiehlt derzeit, auf Momentum zu setzen.
- Der schlimmste Fehler ist, nicht investiert zu sein und an der Seitenlinie zu stehen. Der zweitschlimmste: bei Krisen panisch auszusteigen.
- Jetzt einsteigen kann schmerzhaft sein, da man gleich 10–20 % Minus erleben könnte. Dennoch ist ein Ausstieg vor dem finalen Schub auch riskant.
- Hens‘ Faustregel: 90 % Aktien und 10 % Gold als Reserve – damit erzielt man langfristig höhere Renditen als mit 100 % Aktien. Cash oder Anleihen sind als Reserve weniger geeignet.
- Historische Daten von 1972 bis heute zeigen: 90 % Aktien + 10 % Gold liefert die höchste Rendite – sogar höher als reine Aktien. Gold dient als Inflationsschutz und Krisenpuffer.
- Psychologisch ist es schwer, Gold in einer Krise zu verkaufen, aber genau dann sollte man es tun, um von fallenden Aktienkursen zu profitieren.
- Wenn übertriebene IPOs kommen, ist man „ziemlich am Ende“ – aber der Crash folgt nicht sofort. Eine Nadel (einfache Rechnung, die die Unhaltbarkeit zeigt) fehlt noch.
- Die KI-Blase zeigt Parallelen zur Dotcom-Blase, aber auch Unterschiede: Hardware (Chips, Energie) ist noch knapp, während Software schwer zu schützen ist und Enttäuschungen drohen.
- Die großen IPOs (SpaceX, OpenAI, Anthropic) sind ein Indikator für die fortgeschrittene Phase, aber nicht das Ende.
- Geopolitische Risiken (z. B. der Irankonflikt) könnten die Blase platzen lassen, falls Öl- und Gasversorgung knapp werden. Die Börse reagiert auf Kriege meist mit einem anfänglichen Rückgang und Erholung bei Kriegsbeginn.
- Staatsverschuldung in Japan und den USA ist noch nicht kritisch, solange der Schuldendienst moderat bleibt. Steigende Zinsen bei Inflation wären der Kipppunkt.
- Verbrauchervertrauen ist oft ein Gegentrendindikator: Schlechte Stimmung deutet auf Kaufgelegenheiten hin, weil die Märkte vorausschauend sind.
Professor Hens bleibt bei seiner Einschätzung: Wir sind im späten Stadium der Rally, aber es kann noch einen kräftigen Schub (50 % oder mehr) geben. Anleger sollten nicht zu früh aussteigen, aber auch nicht blind einsteigen. Die bewährte Strategie: 90 % Aktien, 10 % Gold – und diszipliniert bleiben.





