
Will AI Populism Decide the 2028 Election? | Jasmine Sun
In dieser Folge von Bankless diskutiert David Hoffman mit der Journalistin Jasmine Sun (The Atlantic, New York Times) über das aufkommende Phänomen des KI-Populismus – eine Weltanschauung, die KI nicht als neutrale Technologie, sondern als elitäres politisches Projekt betrachtet, das es zu bekämpfen gilt.
Definition und aktuelle Bedeutung
- Definition: KI-Populismus ist eine politische Bewegung, die KI als Bedrohung für Arbeitsplätze, die Gesellschaft und die Demokratie sieht und sich gegen die „KI-Elite“ richtet.
- Aktuelle Relevanz (2025/2026): Laut Umfragen (Blue Rose Research) steht KI auf Platz 29 von 40 wichtigen politischen Themen, ist aber das am schnellsten steigende Thema. Es ist kein primäres, aber ein rasant wachsendes politisches Anliegen.
- Bündnisse: Die Bewegung vereint ungewöhnliche Koalitionen, wie Konservative, Umweltschützer und Antitrust-Aktivisten, die gemeinsam für Regulierung kämpfen.
Warum ist KI-Populismus so stark?
- Opportunismus von Politikern: Politiker wie Bernie Sanders nutzen KI, um ihre langjährigen Forderungen (z.B. höhere Löhne, Krankenversicherung) mit neuen Argumenten zu untermauern. Sie machen KI zum „Sündenbock“ für bestehende Probleme wie Inflation und Ungleichheit.
- Selbstverstärkende Narrative: KI-Führungskräfte wie Dario Amodei (Anthropic) sagen selbst öffentlich massive Arbeitsplatzverluste voraus. Diese Warnungen aus der Branche verleihen dem Populismus Glaubwürdigkeit.
- Glaubwürdigkeit der Akteure: Anders als bei Krypto (z.B. Elizabeth Warrens Anti-Crypto-Army) sind die Warnungen der KI-Eliten nachvollziehbarer, da KI bereits in breiten Teilen der Wirtschaft und des Alltags angekommen ist (schnellste App der Menschheitsgeschichte, großer Anteil am BIP-Wachstum).
- Mangel an demokratischen Kanälen: Bürger haben kaum Einfluss auf die Entwicklung von KI. Diese Ohnmacht führt zu Protesten, aber auch zu politischer Gewalt (Angriffe auf Sam Altmans Haus). Jasmin Sun argumentiert, dass dies Ausdruck von Nihilismus und fehlendem Vertrauen in demokratische Prozesse ist.
Die Zukunft der Arbeit: Job-Verlust oder Umbruch?
- Steile These (Dario Amodei): KI wird 20% der Arbeitsplätze vernichten. Das Herzstück: Kapital benötigt keine menschliche Arbeit mehr, da KI-Tokens Arbeit ersetzen.
- Gegenargument (Lump of Labor Fallacy / Mark Andreessen): Historisch (z.B. ATMs) haben technologische Umwälzungen mehr Arbeitsplätze geschaffen (z.B. durch neue Nachfrage, günstigere Dienstleistungen). KI wird als deflationäre Kraft gesehen.
- Differenzierte Sicht von Jasmine Sun: Sie erwartet kurzfristige Störungen für 5-10% der Jobs, insbesondere in digitalen Berufen (Softwareentwicklung, Design, Marketing). Sie zieht Parallelen zur Deindustrialisierung: Betroffene Arbeitnehmer (z.B. Stahlarbeiter) haben sich nicht einfach umschulen lassen, was zu politischen Verwerfungen führte. Das Gleiche droht nun für Angestellte.
Die politische Landkarte und Lösungsansätze
- Befürchteter Konflikt: Sun befürchtet eine Spaltung zwischen „Techno-Kapitalistischen Eliten“ (pro KI) und einem breiten, populären Block (Anti-KI), der beide politischen Lager umfasst.
- Parteipolitische Tendenz: Die Demokraten könnten zur Anti-KI-Partei werden, da ihre Wählerbasis (junge, gebildete Angestellte) besonders betroffen ist. Die Republikaner sind tendenziell pro-KI, aber nicht einheitlich.
- Vorschläge für einen „Grand Bargain“: Um die Vorteile der KI zu nutzen, ohne die Gesellschaft zu spalten, schlägt Sun vor:
- Längere Arbeitslosenversicherung (12-24 Monate statt 6 Monate) für Umschulungen.
- Stärkere Besteuerung von Kapitaleinkünften (KI-Unternehmen).
- Verkürzung der Arbeitswoche (z.B. 30 Stunden), um die Arbeit auf mehr Menschen zu verteilen.
- Neue Verhandlungstische: Unternehmen (z.B. Waymo/Google) sollen mit betroffenen Gruppen (Taxifahrer) Lösungen aushandeln, um faire Übergänge zu schaffen.
- Persönliche Strategie für Arbeitnehmer: Statt gegen KI zu kämpfen, sollten Arbeitnehmer ihren komparativen Vorteil finden – Dinge, die KI nicht kann (z.B. vertrauensvolle Gespräche führen, reportagen vor Ort).






