
Wendougee: Der interessanteste Hersteller in China?
Der Tester betrachtet Wendougee als einen aufstrebenden chinesischen Hersteller, der sich von einem Nachahmer zu einem potenziellen Innovationsführer entwickeln könnte. Er sieht Parallelen zu anderen chinesischen Marken wie Timemore und Bookoo, die ebenfalls hochwertige Produkte anbieten und sowohl den lokalen als auch den internationalen Markt erobern.
Der Wendougee LITA Espressomaschine (ca. 2.000 €)- Design & Verarbeitung: Kompakte, tablet-gesteuerte Dualboilermaschine mit Druck- und Durchflussprofilierung. Das Design erinnert stark an die Decent-Maschine. Die Materialwahl ist jedoch uneinheitlich: massive Metallteile treffen auf günstig wirkende Kunststoffelemente, besonders am Abtropfgitter und den Tasten. Der einzige physische Knopf (für Dampf) fühlt sich etwas billig an.
- Bedienung: Das Herzstück ist ein Tablet (nicht im Lieferumfang enthalten) oder ein Smartphone mit einer App. Die App bietet sowohl einen "Easy-Modus" für einfache Profile als auch einen "Profi-Modus" für tiefgehende Einstellungen. Die Software war im Test zeitweise fehleranfällig und die Menüführung (langes, kurzes, doppeltes Drücken) ist gewöhnungsbedürftig.
- Leistung & Features: Als Dualboiler mit saturiertem Gruppenkopf liefert sie stabile Temperaturen, braucht aber ein paar Vorspülungen, um die Zieltemperatur zu erreichen. Die Druckprofile sind präzise einstellbar und die Maschine kann mit einer kompatiblen Waage (z.B. Bookoo) brühen, um ein konstantes Gewicht im Cup zu erreichen.
- Vernetzung & Community: Die Maschine kann mit dem Milo Play Grinder kommunizieren und Profile zwischen beiden Geräten teilen. Eine integrierte Social-Media-Funktion ("Community Tab") kann jedoch nicht mit der aktiven und engagierten Community von Decent mithalten.
- Fazit: Die LITA ist eine technisch fähige Maschine, die guten Espresso zubereiten kann. Sie unterliegt jedoch in der Verarbeitungsqualität und Software-Reife noch der Decent. Das große Plus ist der aggressive Preis für die gebotene Technik.
- Innovation trifft auf Frustration: Die Mühle hat eine 64-mm-Scheibenmahlwerk und variable Drehzahl. Das revolutionäre Feature ist die digitale Mikrometer-Einstellung des Mahlspalts, die sich in 1-Micron-Schritten per Knopfdruck präzise und wiederholbar einstellen lässt. Man kann Profile speichern (z.B. „A: Espresso, 140 Microns") und zwischen ihnen wechseln.
- Verarbeitung & Haptik: Auch hier zeigt sich ein Widerspruch. Das Gehäuse ist teils aus Metall, teils aus billigem Kunststoff. Ein Dauerstrom von 7 Watt erwärmt den Motor ständig leicht, was sich seltsam anfühlt.
- Schwächen: Die Mühle leidet unter hohem Retention (Schwankungen bis 0,5 g), was bei modernen Mühlen unüblich ist. Ein Nachmahlproblem durch einen zu starren Klumpenbrecher erzeugt übermäßig viele Feinanteile und erwärmt das Mahlgut. Der Mechanismus zum Ausklopfen ist unpraktisch und verschmutzt schnell.
- Fazit: Die Mühle ist ein Paradebeispiel für Wendougees Potenzial: Sie löst ein schwieriges technisches Problem (digitale Mahlspalt-Einstellung) brillant, scheitert aber an einfacheren, längst gelösten Herausforderungen (Retention, Verarbeitung). Der Tester ist überzeugt, dass diese Mängel in naher Zukunft behoben werden können, da sie technisch nicht komplex sind.
Der Tester sieht Wendougee als einen sehr interessanten Hersteller, der das Zeug hat, die Kaffeewelt zu verändern. Die Kombination aus innovativen Ideen (digitale Mikrometer-Mühle) und den günstigen Preisen ist beeindruckend. Jedoch zeigen die Produkte auch typische Anlaufschwierigkeiten: eine inkonsistente Materialqualität, Software-Bugs und unnötige konstruktive Schwächen.
Wendougee hat eine große Produktionskapazität (ca. 5.000 Maschinen/Monat) und einen starken Heimatmarkt. Wenn sie es schaffen, ihre Produkte durch engagiertes User-Feedback und schnelle Iterationen zu verbessern, könnten sie zu ernstzunehmenden Konkurrenten für etablierte Marken wie Decent werden. Der Tester wird die Entwicklung der Firma aufmerksam verfolgen.






