
Warshs Fed, Hyperscaler-CapEx-Chaos & der Handel mit Rechenleistung wie mit Öl (LIVE mit Steve Hou)
In dieser Live-Diskussion mit Steve Hou (Forschungsleiter bei Silicon Data) analysieren wir die neuesten Quartalszahlen der Tech-Giganten und die volatile Marktstimmung rund um KI-Infrastrukturinvestitionen. Der Fokus liegt dabei auf der Frage: Ist der KI-Investitionsboom nachhaltig?
Marktreaktion auf Hyperscaler-Quartalszahlen- Wachstum vs. Erwartungen: Google und Microsoft zeigen explosives Cloud-Wachstum (Google Cloud >100 %), doch die Investitionsausgaben (CapEx) blieben unter den Erwartungen des Marktes.
- Fokuswechsel: Der Markt bestraft in letzter Zeit Aktien, die ihre CapEx nicht steigern. Dies deutet auf eine Verschiebung der Diskussion hin – weg von der reinen Investitionssumme hin zur Frage nach dem konkreten ROI und der Profitabilität der KI-Aktivitäten.
- Profitabilität der Cloud: Googles operative Marge stieg von 23 % auf 36 %, was beweist, dass das Cloud-Wachstum nicht nur umsatzstark, sondern auch profitabel ist.
- EBITDA vs. Nettoeinkommen: Während das EBITDA von Rechenzentren (z. B. CoreWeave) massiv positiv ist, fressen die enormen Abschreibungen auf die Hardware den Großteil des Gewinns auf. Die Lücke zwischen diesen Kennzahlen ist historisch hoch.
- GPU-Mietpreise explodieren: Die Spotpreise für GPUs (H100, B200, B300) steigen fast senkrecht. Dies deutet auf einen akuten Nachfrageüberhang hin, obwohl ständig neue Chip-Generationen auf den Markt kommen.
- Token-Preise im Sinkflug: Gleichzeitig fallen die Preise für Tokens. Skeptiker sehen darin eine Kommodifizierung. Optimisten sehen die natürliche Verbreitung von KI: Günstigere Token führen zu massiv höherer Nutzung.
- Die Zirkularitätsfrage: Ein großer Teil der Nachfrage kommt von KI-Laboren selbst, die ihre Kapazitäten untervermieten. Ist dies ein nachhaltiger Kreislauf? Anthropic liefert mit seinem S-1-Filing ein starkes bullishes Signal (88 % Bruttomarge, 8 % operative Marge im Q2).
- Contango vs. Backwardation: Die implizite Terminkurve (Forward Curve) für GPU-Mietpreise zeigt einen Trend zum Contango (steigende Preise in der Zukunft). Das ist für Rechenleistung ungewöhnlich und deutet auf erwartete Knappheit hin.
- Risiko von Langzeitverträgen: Unternehmen wie CoreWeave haben sich mit festen Langzeitverträgen zu günstigeren Konditionen gebunden und verpassen so die aktuelle Preisexplosion am Spotmarkt. Dies ist eine klassische Absicherungsdynamik, wie man sie von Öl oder Kerosin kennt.
- Closed vs. Open Source: Die Debatte über den Wechsel zu günstigeren (z. B. chinesischen) Modellen ist vielschichtiger als reine Kostenbetrachtung.
- Marken & Wechselkosten: Trotz niedrigerer Preise scheuen viele Unternehmen den Wechsel. Die iPhone-Analogie (bessere Spezifikationen vs. nahtloses Nutzererlebnis und Markenbindung) zeigt, dass immaterielle Hürden und Compliance-Fragen den Wechsel oft unwirtschaftlich machen.
- Adoption in Unternehmen: Obwohl viele Unternehmen Anthropic-Modelle einsetzen, machen die Ausgaben oft nur einen Bruchteil des Budgets aus (0,1 %). Dies kann sowohl als großes Potenzial für Wachstum als auch als Zeichen einer überschaubaren aktuellen Relevanz interpretiert werden.
- Fed und Zinsen: Die Zinspolitik der Fed spielt derzeit eine untergeordnete Rolle. Solange die Renditen der KI-Investitionen hoch sind, werden Kredite trotz steigender Zinsen aufgenommen.
- Konsolidierung: Die Übernahme von Lumentum (Optik) durch Marvell zeigt den Trend zur vertikalen Integration in der Halbleiter-Lieferkette, um in einem von Knappheit geprägten Markt die Preismacht zu sichern.






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