
Nivona Cube im Test: Kann ein Vollautomat wie ein Siebträger schmecken?
Die Nivona Cube ist ein Vollautomat, der sich einige Tricks vom Siebträger abgeschaut hat. Das Ziel: typische Schwächen von Vollautomaten (ungleichmäßige Extraktion, Channeling) zu vermeiden.
Hauptvorteil: Manuelle Kaffeeverteilung- Das größte Plus: Ihr seht das Mahlgut vor der Brühung und könnt es manuell verteilen („Tamping“).
- Bei herkömmlichen Vollautomaten entsteht oft eine ungleichmäßige „Hügellandschaft“ im Kaffeepuck → Channeling → bitter-saures Getränk.
- Durch die manuelle Verteilung wird der Kaffeekuchen gleichmäßig extrahiert → deutlich besserer Geschmack.
- Herausnehmbarer Brühkorb (kein Spülmaschinenfest → per Hand spülen).
- Kegelmalwerk (mahlt 12 g in ca. 8 Sekunden).
- Mahlgrad von fein (für Espresso) bis grob (für Lungo) einstellbar, jedoch insgesamt zu grob für echten Siebträger-Espresso.
- Tamping-Funktion passt sich der Kaffeemenge an → sauberer Puck.
- Totraum (ca. 12,5 g) → alter Kaffee kann ersten Bezug beeinträchtigen; Tipp: Vorheizen des Brühkorbs verbessert das Ergebnis.
- 12 g Kaffee → 28–32 g Getränk → TDS ~6% ✅ ein Espresso.
- Senso: Grundsolide, aber limitiert durch Crema-Ventil und Mühle.
- Crema-Ventil (Marketing-Begriff für doppelwandiges Sieb) erzeugt künstlichen Widerstand → künstliche Crema, nicht geschmacksrelevant.
- Mühlen-Limit: Partikelverteilung im Kaffee-Crema-Bereich (400 μm Hauptpeak) statt Espresso (200-300 μm).
- Temperatur: Höchste Stufe empfohlen (gemessen ca. 85°C ohne Widerstand).
- 12 g Kaffee → 70 g Getränk (1:5,8) → der beste Kaffee-Crema aus einem Vollautomaten seit Langem.
- Sauber, kräftig, süß, kakaonah – kein muffiger „Vollautomaten-Geschmack“.
- Brühprofile:
- Dynamik (1 Strich): reduzierter Fluss → bitter-metallisch (für hellere Röstungen evtl. besser).
- Konstant (3 Striche): empfohlen → langsamer Druckaufbau → ausgewogen, ähnlich einer Vibrationspumpen-Siebträgermaschine.
- Intense (5 Striche): verlängert Extraktionszeit → sinnlos bei Lungo; eher für helle Röstungen als Experiment.
- Vorbrühung: nur ⅓ des Kaffees benetzt → unzureichend → macht keinen echten Unterschied.
- Für wen geeignet?
- Haushalte, die keinen reinen Espresso, sondern längere Getränke (80–100 ml) mit hoher Qualität möchten.
- Einsteiger, die mehr Kontrolle als bei einem klassischen Vollautomaten haben wollen.
- Personen, die einfache Reinigung schätzen (kein Innenverschmutzung).
- Nicht ideal für:
- Reine Espresso-Trinker → zu grobe Mühle, Crema-Ventil → Siebträger + Mühle (z. B. Dedica + DF54 für ~€ 450) ist besser.
- Preis: ca. € 430 (DE) / CHF 500 (CH).
- Brühkorb vorheizen → massiver Geschmacksboost.
- Regelmäßig nutzen (keine langen Pausen) → Totraum-Kaffee vermeiden.
- Kaffeequalität: Frisch geröstet (Röstdatum prüfen), z. B. Compadre (dunklere Röstung) – rund, schokoladig.
- Mahlgradeinstellung:
- Espresso: feinster Mahlgrad + geringste Wassermenge (ca. 12 g / 30 ml).
- Lungo: mittlerer Mahlgrad (Stufe 3) + 70 ml.
Fazit: Die Nivona Cube ist kein Siebträger-Ersatz, aber der beste Kompromiss in der Vollautomaten-Welt für längere, saubere Kaffeegetränke. Die manuelle Verteilung ist der Game-Changer – einfach, effektiv und macht Spaß.





