
KI ist gerade durch die „Liquiditäts-Falltür“ gefallen, argumentiert Makro-Investor Dan Krausz
Dan Krausz argumentiert, dass der jüngste Ausverkauf bei KI-Infrastrukturwerten (Halbleiter, Anleihen) kein Nachfrageproblem ist, sondern ein Liquiditätsproblem. Die positiven Fundamentaldaten der KI sind intakt, aber die globale Verfügbarkeit von Kapital schrumpft.
Mechanismus: Die Liquiditäts-Falltür- Der Wasserfall-Effekt: Staatsanleihen und Hyperscaler (Big Tech) haben den höchsten Kreditstatus und werden im Kapitalmarkt zuerst bedient. Da das Volumen der Emissionen (Staatsdefizit + KI-Investitionen) explodiert, bleibt für die nächste Stufe (KI-Infrastruktur) weniger übrig.
- Zeiträume verkürzen sich: Sorgen, die noch vor Monaten 18 Jahre entfernt schienen (z. B. Finanzierungslücken), werden akut, sobald die Liquidität nachlässt.
- Vom Cash zum Markt: Die Hyperscaler finanzierten ihre KI-Ausgaben jahrelang aus eigenen Barreserven außerhalb des Marktsystems. Jetzt sind sie auf Fremdfinanzierung angewiesen und damit angreifbar.
- Die Fed steckt im Trilemma: Zinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung würden den Rest der Wirtschaft (Wohnungsbau, KMU) zermalmen. Eine lockere Geldpolitik heizt die KI-Blase an.
- Die US-Regierung sieht es als existenziell an, das KI-Rennen zu gewinnen. Daher werden Liquiditätstrampoline unter der Falltür platziert, z. B. durch die Ausrichtung der Treasury-Emissionen (kurzes vs. langes Ende) oder Diskussionen über eine „Fannie Mae für KI“.
- Die jüngste Rallye bei Aktien, die als KI-Disruptionsopfer gelten (z. B. Intuit, Adobe), ist keine fundamentale Wende. Es handelt sich um einen technischen Short Squeeze (Positionen wurden glattgestellt).
- Das Disruptionsrisiko für diese Firmen bleibt hoch. Krausz erwartet, dass dieses Thema wieder aufkommen wird.
- Konsumschwäche: Der diskretionäre Spielraum der Verbraucher schrumpft strukturell (höhere Zinsen, Rohstoffpreise). Eine spürbare Abschwächung des Konsums wird für nächstes Jahr erwartet.
- Das Produktivitätsparadoxon: „Produktivität als Konzept ist extrem wichtig. Produktivität als Datenpunkt ist fast nutzlos.“ Produktivitätssprünge durch KI wird man statistisch erst mit großer Verzögerung sehen, oft erst in Rezessionen.
- Margen unter Druck: KI ist ein Burggraben-Zerstörer. Langfristig werden die Effizienzgewinne wahrscheinlich an die Verbraucher weitergegeben (Commodity-Falle), statt die Unternehmensmargen dauerhaft zu stärken.
Solange die Liquidität nicht weiter fundamental verknappt wird, kann der Markt sich halten. Die Politik hat noch Spielraum (starker Dollar, niedrige Terminprämie). Die größte Gefahr bleibt eine plötzliche, zusätzliche Verknappung der globalen Kapitalverfügbarkeit – dann öffnet sich die Falltür, ohne dass ein Trampolin bereitsteht.





