
Das Fermentationsprojekt – Bonus-Fragen & Antworten (für Nerds)
In diesem Bonus-Q&A beantworten James Hoffmann und Fermentationsexpertin Lucia (mit Hintergrund aus der Weinherstellung) Fragen aus der Community, die während der Live-Verkostung des Fermentationsprojekts zu kurz kamen. Es geht um Wissenschaft, Praxis und Missverständnisse rund um Kaffeefermentation.
1. Warum hatten die Kaffees keinen „Funk“?- Fermentation wird in Specialty Coffee oft mit funky, extremen Aromen gleichgesetzt – dieses Projekt wollte bewusst eine andere, traditionellere Seite zeigen.
- Fermentation ist für Produzenten ein Produktionsschritt wie Trocknen oder Rösten, kein reiner Geschmacksstil.
- „Funky“ kann einfach ungewöhnlich bedeuten, aber auch stark fermentierte, fruchtige Noten, die sehr kontrovers sein können.
- Kaffeekirschen haben im Gegensatz zu Trauben sehr wenig Fruchtfleisch und Saft – die Ausbeute läge nur bei etwa 2–3 %.
- Die Flüssigkeit müsste extrem aufwendig gefiltert werden, wirtschaftlich ist das nicht sinnvoll.
- Hauptkostenfaktor ist die Hefe: ca. 10–15 Cent pro Pfund (umgerechnet etwa 22–33 Cent pro kg), plus Versand und Zölle.
- Diese Kosten können durch weniger Wasser, Energie und Arbeitszeit teilweise ausgeglichen werden.
- Milchsäurebakterien kommen in der Natur vor, werden aber im Labor vermehrt und konzentriert, um die Fermentation zu dominieren.
- Es ist also keine künstliche Erzeugung, sondern eine gezielte Anreicherung.
- Technisch extrem weit: gleiche Mikroben können durch Druck, Temperatur und anaerobe Bedingungen komplett andere Aromen bilden – etwa Kaugummi statt tropischer Früchte.
- Es gibt viel Raum für Innovation, aber Lucias Ansatz ist bewusst Einfachheit, Konsistenz und De-Risking für Produzenten.
- Die Röstung kann mehr Einfluss auf das Endergebnis haben und feine Aromen verdecken.
- Im Projekt zeigten Konsumenten trotz unterschiedlicher Röster erstaunlich einheitliche Meinungen.
- Durch Inokulation: Lactobacillus wird in etwa 10-facher Population zugegeben und reproduziert sich extrem schnell (teils in 10 Minuten).
- Damit wird die Fermentation kontrollierbar, anders als bei Joghurt- oder Salzlake-Methoden.
- Am schwierigsten ist es, genug Arbeitskräfte zu finden – gerade in Mittel- und Südamerika.
- Klimaschwankungen lassen sich ausgleichen, wenn Personal rechtzeitig eingreifen kann.
- Die Kaffees sind auf Stabilität ausgelegt; ideal sind Filterkaffee-Zubereitungen.
- Empfehlung: verschiedene Fermentationsvarianten mischen, da sie als Gesamtbild gedacht sind.
- Bei Espresso eher längere Extraktionen (3:1 bis 4:1), besonders bei hellen Röstungen.
- James persönlich mag keine stark fermentierten Fruchtaromen, betont aber: Intention ist entscheidend.
- Natural bedeutet: Der Samen wird mit Fruchtfleisch getrocknet; das dauert oft 14 Tage bis 5 Wochen.
- Mucilage ist die schleimige, pektinhaltige Fruchtschicht um den Samen – vergleichbar mit der klebrigen Schicht um Passionsfruchtkerne.
- Die Sonne ist kostenlos, aber nicht magisch – UV-Strahlen sind nicht nötig.
- Mechanische Trockner haben einen schlechten Ruf wegen zu schneller Trocknung; besser sind Unterbrechungen und niedrigere Temperaturen, z. B. 8 Stunden an, 8 Stunden aus.
- Fruchtfleisch und Mucilage werden oft kompostiert oder einfach entsorgt; wirtschaftlich nutzt sie kaum jemand.
- Viele „Co-Fermentationen“ sind eigentlich Infusionen: Aromen werden übertragen, ohne dass Mikroben sie umwandeln. Transparenz und klare Kennzeichnung sind wichtig.
- Es gibt hunderte Bier- und Wein-Hefen, aber nur etwa 10–12 speziell für Kaffee; Lucia arbeitet mit vier Favoriten.
- Wein-Hefen eignen sich wegen des Zuckerprofils besser als Bier-Hefen.
- Kaffee ist jedoch nicht wie Wein – die meisten Vergleiche sind irreführend, etwa weil man in Wein die fermentierte Flüssigkeit trinkt, bei Kaffee aber nur den gerösteten Samen.
Weitere Fragen sind in den Kommentaren willkommen. Die Runde endet mit einem ironischen „Thanks nerds“ – ein passender Abschluss für dieses tiefgehende Gespräch.






