
Warum dieser Leerverkäufer die KI-Blase nicht shorten will | Russell Clark
Kernaussagen des Interviews mit Russell Clark
Russell Clark, Gründer des Hedgefonds Bramble Capital, analysiert im Gespräch die wirtschaftlichen und politischen Folgen der US-Midterms sowie die Dynamik der KI-Investitionen. Seine zentrale These: Steigende Staatsausgaben, höhere Inflation und wachsende Löhne sind systemisch – und kein kurzfristiger Zyklus.
Politische Lage nach den Midterms- Die Wahl war weniger ein Votum für die Demokraten als eine Ablehnung von Trumps Politik, insbesondere weil die Menschen mehr Geld in der Tasche haben wollen.
- Trumps erfolgreiche Einwanderungspolitik habe ihm eine wichtige politische Stütze genommen; gleichzeitig hätten hohe Ölpreise und Kürzungen bei Sozialprogrammen seine Basis geschwächt.
- Clark erwartet, dass sich arbeitnehmerfreundliche und inflationsfördernde Maßnahmen verstärken werden. Trump werde Steuererhöhungen ablehnen, aber höhere Ausgaben seien wahrscheinlich – das Defizit werde nicht sinken.
- Die besten Short-Gelegenheiten entstehen aus Überkapazitäten, die aus logischen Anreizen resultieren – etwa in China, wo Unternehmen um die Marktführerschaft kämpfen.
- Bei KI sieht Clark diese klare Überkapazität nicht: Die Nachfrage nach Rechenzentren ist weiterhin riesig, und die Hyperscaler sind ausgebucht.
- KI ist für Google, Microsoft & Co. eine existenzielle Bedrohung – sie müssen investieren, selbst wenn es finanziell irrational wirkt.
- Zudem könnte der Staat eingreifen, um China nicht den Vorsprung zu lassen – das begrenzt das Abwärtspotenzial für Short-Positionen.
- Solange die Aktienmärkte weiterhin Kapital für KI-Projekte wie SpaceX oder OpenAI bereitstellen, fehle der entscheidende Beweis für ein Platzen der Blase.
- Auch bei Oracle, trotz gefallener Aktie, seien die Investitionsausgaben nicht massiv gekürzt worden – das Unternehmen nimmt weiter Milliarden an den Kapitalmärkten auf.
- Die riesigen Kapitalpools aus Asien, die früher in US-Staatsanleihen flossen, schrumpfen – Zentralbanken halten weniger Reserven in US-Treasuries.
- Dies führe zu höheren Kapitalkosten und einer Verknappung von Finanzierungsmöglichkeiten, was besonders Private Equity und alternative Manager treffen dürfte.
- Die USA befinden sich in einer Art Kaltem Krieg mit China, was Verteidigungsausgaben und Investitionen dauerhaft erhöht – ähnlich wie in Kriegszeiten.
- Löhne sind der eigentliche Inflationstreiber, nicht Öl. Sobald die Fed die Zinsen senkt, dürfte der langfristige Anleihemarkt einbrechen, weil die Marktteilnehmer erkennen, dass die Inflation nicht bekämpft wird.
- Japan sieht Clark positiv: Die lange Stagnation war politisch bedingt (US-Zwang zur Halbleiter-Beschränkung). Jetzt kehren Investitionen zurück, und steigende Immobilienpreise sind politisch weniger problematisch als anderswo.
- US-Hausbauer und Franchise-Restaurants könnten unter Druck geraten, da Margen durch höhere Lohn-, Energie- und Zinskosten sinken.
- Aktienrückkäufe bleiben der dominante Markttreiber – Apple ist das Paradebeispiel. Unternehmen, die keine existenziellen KI-Investitionen tätigen müssen, könnten langfristig profitieren.
- Öl sei ein „totes Anlagegut“: Die Nachfrage aus dem Straßenverkehr hat ihren Höhepunkt überschritten, und die Verbindung zwischen Energieverbrauch und BIP löst sich auf.
Russell Clark sieht die Risiken asymmetrisch: Während die KI-Blase für Leerverkäufer kein gutes Chance-Risiko-Verhältnis bietet, sind die strukturellen Inflationstrends und die Kapitalverknappung die entscheidenden Faktoren für die kommenden Jahre. Er sucht weiter nach belastbaren Beweisen für eine Short-Position – hat sie aber noch nicht gefunden.





