
Espressomühle bis 500 Euro: Lelit Steve im Test
Die Lelit Steve ist eine reine Espressomühle mit 64 mm Mahlscheiben. Sie ist kompakt (23 cm tief, 14 cm breit, 39 cm hoch) und wiegt 6,5 kg. Optisch eigenständig, aber passend zu weißen Lelit-Maschinen.
🔧 Ausstattung & Bedienung
- Mahlgradeinstellung: Stufig, keine stufenlose Regelung. Die Schritte wurden gegenüber dem Vorgänger verkleinert (nun ca. 5 s Brühzeitänderung pro Klick), aber im Test führte ein Klick zu Sprüngen von 27 auf 18 s – zu grob für präzises Einstellen.
- Display: Neu, mit zwei programmierbaren Dosierungen plus Dauermodus. Programmierung einfach über Plus-Taste.
- Siebträgeraufnahme: Funktioniert mit allen gängigen Siebträgern (ECM, Rocket, Arkel, Ascaso, La Marzocco, Lelit Mara), aber die Aufhängung wirkt veraltet und wenig durchdacht.
- Bohnenbehälter: Fassungsvermögen ca. 300–350 g, nicht abnehmbar – das erschwert Reinigung und Bohnenwechsel erheblich. Vier Schrauben müssen gelöst werden, um an die Mahlscheiben zu gelangen, wobei Kunststoffgewinde leicht überdrehen.
⚙️ Mahlleistung & Präzision
- Totraum (Retention): Temporär 5,2 g, permanent 0,3 g → insgesamt 5,5 g. Das ist hoch; Single-Dosing ist kaum möglich (es bleiben 2–2,5 g liegen).
- Partikelverteilung: Hauptpeak bei ca. 240 µm (Espresso-Einstellung), breitere Verteilung mit ausgeprägtem Feinanteil. Liefert körperreiche, süße Espressi, besonders bei mittleren bis dunklen Röstungen. Helle Specialty-Kaffees verlieren etwas Komplexität.
- Reproduzierbarkeit: Nach Rückstellen auf den gleichen Mahlgradklick verschob sich der Hauptpeak auf 267 µm und der Feinanteil stieg um 5 % – die Mühle kehrt nicht exakt an den Ausgangspunkt zurück. Ursache: Spiel in der Ritzelübersetzung und Fertigungstoleranzen.
- Dosiergenauigkeit: Zeitgesteuert, aber die Auswurfmenge schwankt um bis zu 1 g (z. B. 18 g eingestellt, 18,5–19 g geliefert). Eine Waage und manuelles Nachjustieren sind nötig.
📊 Sonstige Messwerte
- Mahldauer: Ca. 30 g in etwa 20 Sekunden (temperaturabhängig) – flott.
- Lautstärke: 82 dB, etwa 6–7 dB leiser als das Vorgängermodell. Angenehmes Mahlgeräusch.
- Erwärmung: Mahlgut bleibt kühl genug, keine negativen Geschmackseffekte.
🎯 Fazit & Kaufempfehlung
Die Lelit Steve kann im Alltag solide Espressi produzieren, weist aber handfeste Schwächen auf:
- Plus: Fluffiges Mahlgut, gute Partikelverteilung für mittlere/dunkle Röstungen, leiseres Mahlen.
- Minus: Grobe Mahlgradstufen, mangelnde Reproduzierbarkeit, hoher Totraum, nicht abnehmbarer Bohnenbehälter, ungenaue Dosierung.
👉 Für 400–500 € gibt es Alternativen (v. a. Single-Dosing-Mühlen mit besserer Präzision und geringerem Totraum). Die Steve ist eher etwas für Lelit-Fans, die mit manuellen Korrekturen umgehen können und hauptsächlich dunklere Röstungen nutzen. Ein klares „Früher war nicht alles besser“ – die Entwicklung im Mühlenbereich ist bei Lelit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.
„Wenn ihr Lelit-Produkte kauft, schaut, ob sie einen Frauennamen haben – die Espressomaschinen überzeugen eher als die Mühlen mit Männernamen (Fred, Steve, William).“






