
412 ‒ Die sich wandelnde Wissenschaft des Krebses: neue Ansätze zur Prävention und Früherkennung, & mehr
In dieser Episode spricht Dr. Peter Attia mit dem Pulitzerpreisträger und Onkologen Dr. Siddhartha Mukherjee über die tiefgreifenden Veränderungen in der Krebsforschung seit der Veröffentlichung von „The Emperor of All Maladies“. Das Gespräch beleuchtet, was sich in den Bereichen Risikobewertung, Prävention, Früherkennung und Behandlung getan hat.
Prävention: Jenseits des „Pech“-Faktors- Das „Nudge vs. Shove“-Modell: Krebsrisiko entsteht nicht nur durch einzelne, starke Mutationen (z. B. BRCA1 – ein „Shove“). Ein großer Teil des Risikos wird durch viele kleine, polygenetische „Anstupser“ (Nudges) bestimmt.
- Entzündung als Zündfunke: Zufällige Mutationen sind häufig, aber sie führen nicht zwangsläufig zu Krebs. Dr. Mukherjee beschreibt, dass Entzündungen den entscheidenden Reiz darstellen, der ruhende „Schläferzellen“ aktiviert und zu einem Tumor werden lässt.
- Stoffwechsel und Insulin: Hyperinsulinämie und ein chronischer Insulintonus gelten als starke, unabhängige Treiber für das Tumorwachstum – selbst unabhängig von Fettleibigkeit.
- Flüssigbiopsien: Diese Bluttests sind aktuell vor allem für Hochrisikopatienten geeignet, da sie in der Allgemeinbevölkerung zu vielen falsch-positiven Ergebnissen führen würden.
- Rasanter Anstieg von Darmkrebs: Darmkrebs nimmt bei jungen Menschen drastisch zu. Die Ursache ist unklar, aber möglicherweise sind Umweltgifte, die Veränderung des Mikrobioms und eine ballaststoffarme Ernährung die Übeltäter.
- KI in der Bildgebung: Künstliche Intelligenz, die CT-Scans auswertet, entdeckt Zusammenhänge, die Menschen entgehen – z. B. den Zusammenhang zwischen einem intakten Thymus und einer geringeren Krankheitsrate.
- Immuntherapie & Checkpoint-Inhibitoren: Haben die Behandlung von bisher als unheilbar geltenden Krebsarten (z. B. Lungenkrebs) revolutioniert.
- CAR-T-Zellen: Diese „bewaffneten“ T-Zellen heilen zuverlässig Flüssigtumore (Leukämien). Die Schwierigkeit bei soliden Tumoren: CAR-T-Zellen töten eine gesamte Zelllinie ab (z. B. alle B-Zellen). Das ist nur machbar, wenn der Mensch ohne dieses Gewebe leben kann (z. B. B-Zellen, aber nicht Gehirnzellen).
- Stoffwechseltherapien: Die Idee, dass Krebszellen einen anderen Stoffwechsel haben (Warburg-Effekt), wird genutzt, um gezielt Medikamente zu entwickeln.
- KRAS-Inhibitoren: Neue Medikamente wie Daxonrasib zeigen, dass die gezielte Behandlung von Treibergenen auch bei Bauchspeicheldrüsenkrebs wirken kann.
- „Warum vs. Wie“: Mukherjee plädiert für mehr reine Beobachtung in der Wissenschaft. Die Frage Wie etwas passiert, ist beantwortbar; Warum ist oft eine metaphysische Frage, die die Forschung blockieren kann.
- KI in der Arzneimittelentwicklung: Die „generative Chemie“ – das KI-gestützte Design von Wirkstoffen von Grund auf – wird als der vielversprechendste kurzfristige Einsatz von KI gesehen.
- Die nächste Grenze: Die derzeitige Medizin verhindert Alterskrankheiten. Die echte Langlebigkeit muss das regenerative Versagen des Körpers adressieren (Thymus, Knochenmark, Haut).
- Erhöhen Sie Ihre Ballaststoffzufuhr drastisch (für die Darmgesundheit).
- Kontrollieren Sie Ihre systemischen Entzündungen und Insulinspiegel – das ist vermutlich der mächtigste Hebel zur Krebsprävention.
- Ein Forschungsteam hofft, dass Medikamente wie GLP-1-Agonisten nicht nur beim Abnehmen helfen, sondern direkt als Adjuvanz in der Krebstherapie eingesetzt werden könnten.






